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Marktdaten 6 Min. Lesezeit

Die öffentliche Beschaffung in der Schweiz ist konzentriert, und der für KMU zugängliche Long Tail bleibt CHF 1.8 Mrd.

Wo die öffentlichen Gelder in der Schweiz wirklich landen, rollend 12 Monate. Die Konzentration ist real; die KMU-Gelegenheit im Long Tail auch. Vorbehalte zuoberst.

Von Mladen Ružičić

Eine wiederkehrende Frage von KMU, die unser Tool das erste Mal anschauen, lautet, ob die öffentliche Beschaffung den Aufwand überhaupt wert sei. Die Sorge ist, dass eine Handvoll Mega-Organisationen das Budget verzehrt und der Rest zu klein sei, um zu zählen. Also habe ich die Abfrage gefahren. Die ehrliche Antwort: ja, konzentriert, und der für KMU zugängliche Teil des Markts ist grösser, als die Tabellen vermuten lassen.

Bevor irgendwelche Zahlen: die Vorbehalte, die Sie im Kopf haben müssen, um den Rest zu lesen:

Zwei Datenvorbehalte zuoberst. Rund 38 % der “Top-10”-CHF im rollenden Jahr sind nicht zugeordnet. Sie fallen in einen “unbekannte Auftraggeberin”-Topf, weil in addresses_json der Publikation kein Beschaffungsstellen-Eintrag stand, den unser Parser zuordnen konnte. Wir benennen das prominent, weil es die Lesart der Spitze verändert. Separat: 10.6 % der bepreisten Zuschlagszeilen tragen einen NULL-Preis und wurden aus den Totalen ausgeschlossen. Beide Punkte stehen auf unserem Datenqualitäts-Backlog.

Mit dem auf dem Tisch: So sieht die rollende 12-Monats-Kurve aus, mit dem nicht zugeordneten Topf separat ausgewiesen.

Die Form, mit nicht zugeordnetem Topf ausgewiesen

Die Abfrage umfasst 1’474 einzigartige Auftraggeberinnen, die in den zwölf Monaten bis 28. Mai 2026 auf simap.ch einen bepreisten CHF-Auftrag vergeben haben. Das in diesem Fenster adressierbare Volumen beträgt rund CHF 8.78 Mrd. bepreister SIMAP-Zuschläge. Die rohe Verteilung und die Nur-benannt-Verteilung gehen an der Spitze auseinander; im Long Tail laufen sie deckungsgleich.

BandAuftraggeberinnenTotal CHF (roh)% rohNur benannt CHF% benannt
Nicht zugeordnet (“unbekannte Auftraggeberin”)1 TopfCHF 0.94 Mrd.11 %ausgeschlossenn/a
Top 10 benannte Auftraggeberinnen10CHF 1.40 Mrd.16 %CHF 1.40 Mrd.18 %
Ränge 11–50 (benannt)40CHF 1.78 Mrd.20 %CHF 1.78 Mrd.23 %
Ränge 51–100 (benannt)50CHF 1.17 Mrd.13 %CHF 1.17 Mrd.15 %
Ränge 101–250 (benannt)150CHF 1.65 Mrd.19 %CHF 1.65 Mrd.21 %
Long Tail (251–1’474)1’224CHF 1.83 Mrd.21 %CHF 1.83 Mrd.23 %

Zwei Lesarten derselben Daten, je nachdem, wie man mit dem nicht zugeordneten Topf umgeht:

  • Roh kumuliert (unbekannte Auftraggeberin eingeschlossen): Top 10 = 27 %, Top 50 = 47 %, Top 250 = 79 %.
  • Nur-benannt kumuliert (unbekannte Auftraggeberin weggelassen): Top 10 = 18 %, Top 50 = 41 %, Top 250 = 77 %.

Die ehrliche Lesart ist die Nur-benannt-Linie. Die Top 10 der benannten Auftraggeberinnen schrieben rund ein Fünftel der bepreisten Schweizer öffentlichen Aufträge im rollenden Jahr. Das ist konzentriert, aber nicht “fünfzig Auftraggeberinnen besitzen alles”.

Wer die Top-Auftraggeberinnen sind

Die Namen, die die Kurvenspitze dominieren, clustern in zwei Sektoren: Verkehrsinfrastruktur und kantonale Hochbauämter. Die Top-Auftraggeberinnen im rollenden Jahr:

  1. Schweizerische Bundesbahnen (SBB), Infrastruktur, Region Ost, Bauprojekte: CHF 331 Mio. mit einem einzigen Mega-Rahmenvertrag
  2. Bau- und Verkehrsdepartement Kanton Basel-Stadt, Kantonale Fachstelle für öffentliche Beschaffungen (KFöB): CHF 246 Mio. über 186 Zuschläge
  3. BLS AG, Finance & SCM, Strategische Beschaffung: CHF 236 Mio. über 15 Zuschläge
  4. Kanton Zürich Hochbauamt, Baubereich D: CHF 148 Mio. über 29 Zuschläge
  5. Service des ponts et chaussées (kantonale Strassen, einzelner Rahmenvertrag): CHF 111 Mio.
  6. SBB Infrastruttura, Progetti di ampliamento e rinnovo, regione sud: CHF 102 Mio. (einzelner Rahmenvertrag)
  7. Amt für Grundstücke und Gebäude des Kantons Bern (AGG): CHF 89 Mio. über 50 Zuschläge
  8. Verkehrsbetriebe St. Gallen: CHF 78 Mio. über 2 Zuschläge
  9. Rhätische Bahn AG: CHF 64 Mio. über 33 Zuschläge

Drei Muster fallen auf:

Verkehrs-Auftraggeberinnen dominieren die Spitze. SBB Infrastruktur, BLS, RhB und die kantonalen Verkehrsbetriebe tauchen überdurchschnittlich auf. Öffentliche Verkehrsinfrastruktur ist die grösste Einzelposition, die wir heute in bepreisten SIMAP-Zuschlägen sehen.

Kantonale Hochbauämter folgen. Basel-Stadt KFöB, Zürich Hochbauamt und Bern AGG zusammen machen mehrere hundert Millionen kantonalen Hochbaus aus. Firmen aus den Bauberufen finden hier natürliche Gegenstücke.

Die Zuschlagszahlen variieren bei identischem CHF-Total stark. Die CHF 331 Mio. der SBB sitzen auf einem einzigen Mega-Rahmenvertrag; Basel-Stadts CHF 246 Mio. verteilen sich auf 186 Zuschläge. Für ein KMU ist das zweite Muster zugänglicher. Auftraggeberinnen, die viele Aufträge mittlerer Grösse vergeben, sind leichter zu erschliessen als jene, die alle paar Jahre einen riesigen Rahmen vergeben.

Warum der Long Tail zählt

Die Schlussfolgerung, die Aussenstehende aus einem konzentrierten Markt ziehen, ist, dass die Top-Spieler ihn dichtgemacht haben. Für die öffentliche Beschaffung in der Schweiz greift diese Schlussfolgerung aus zwei Gründen daneben.

Der Long Tail ist CHF 1.83 Mrd., kein Kleingeld. Rund 1’200 Auftraggeberinnen von Rang 251 bis ganz unten vergeben gemeinsam noch rund ein Fünftel des Gesamtvolumens. Die meisten davon sind Gemeinden, kleinere kantonale Stellen, Schulen, Spitäler und Bundes-Untereinheiten. Es sind die Auftraggeberinnen, mit denen ein KMU realistisch eine Beziehung aufbauen kann, und wo das Zwei-Anbieter-Problem am stärksten beisst.

Käufer-Konzentration sagt keine Anbieter-Konzentration voraus. Auch die Mega-Auftraggeberinnen verteilen ihre Beschaffung auf viele CPV-Divisionen. Ein Bau-KMU konkurriert nicht mit allen um den SBB-Rahmenvertrag über CHF 331 Mio.; es konkurriert um einen der Dutzenden Unteraufträge, die dieser Rahmen anschliessend vergibt. Die Zwei-Anbieter-Analyse zeigte mediane Anbieterzahlen um vier über den ganzen Datensatz; dieses Muster gilt unabhängig davon, ob die Auftraggeberin ein Riese oder eine Long-Tail-Gemeinde ist.

Die strategische Folgerung: Suchen Sie sich Auftraggeberinnen, die zu Ihrer Grössenordnung passen. Eine fünf Personen starke Firma soll nicht dem SBB-Rahmen nachjagen. Sie soll dem kantonalen Hochbauamt, dem städtischen Schulamt, den regionalen Verkehrsbetrieben nachgehen. Der Long Tail ist der Markt, in dem KMU realistisch gewinnen.

Eine praktische Lesart der Kurve

Wenn Ihre Grösse zu mittleren Auftraggeberinnen passt, bauen Sie aktiv Beziehungen auf. Die kantonalen Ämter in den Top 50 publizieren Dutzende Ausschreibungen pro Jahr; das Amt, die Beschaffungsleitung und die kantonale Selbstdeklarations-Variante zu kennen, ist Monate Schreibarbeit wert. Der Beitrag zur Selbstdeklaration deckt das Bundesformular und die Abweichungen der grössten Kantone ab.

Wenn Sie kleiner sind, ist der Long Tail Ihr Markt. Gemeinden, regionale Schulbehörden und kleinere kantonale Anstalten schreiben gemeinsam die ~23 % der CHF (Nur-benannt), die in keiner Tabelle auftauchen. Dort sind Zwei-Anbieter-Situationen am häufigsten, und dort baut ein KMU das Referenzportfolio auf, das es später für mittlere Aufträge qualifiziert.

Verfolgen Sie die benannten Auftraggeberinnen, die Sie gewinnen wollen. Eine auftraggeberin-benannte gespeicherte Suche in TenderLift gibt Ihnen einen Feed für die spezifischen Organisationen auf Ihrer Zielliste. Wenn Sie ein Elektriker in Bern sind, kostet eine gespeicherte Suche auf den Stream des Berner AGG nichts und sagt Ihnen Wochen im Voraus, was kommt.

Methodik und Vorbehalte

Die Abfrage joinet award_contractors (bepreiste Zuschläge) auf award_decisions auf simap_publications und gruppiert nach dem Beschaffungsstellen-Namen, extrahiert aus dem addresses_json jeder Publikation. Filter: SIMAP-Quelle, Zuschläge mit decision_date in den rollenden 12 Monaten bis 28. Mai 2026, price IS NOT NULL in CHF.

Zwei bekannte Vorbehalte, vorne und hier nochmals genannt, damit keiner verloren geht:

  • 38 % der rohen Top-10-CHF sind nicht zugeordnet. Ein einzelner “unbekannte Auftraggeberin”-Topf (CHF 944 Mio., 557 Zuschläge) deckt Publikationen ab, bei denen unser Parser aus addresses_json keinen Beschaffungsstellen-Namen extrahieren konnte. Die Nur-benannt-Sicht oben ist die verlässliche Lesart; die rohe Spalte ist der Vollständigkeit halber ausgewiesen.
  • 10.6 % der award_contractor-Zeilen haben einen NULL-Preis und sind aus der auswertbaren Teilmenge ausgeschlossen. Die CHF-Totale untertreiben den tatsächlichen Markt um rund diesen Anteil.

Wir aktualisieren die Analyse quartalsweise. Stand: 28. Mai 2026.

Geprüfte Quellen. SIMAP Standards der Publikation für Zuschläge. Zugrundeliegende Daten: TenderLifts SIMAP-Ingestion (produktiv), rollend 12 Monate bis 28. Mai 2026, n = 5’304 bepreiste Zuschläge nach NULL-Ausschlüssen, n = 1’474 benannte Auftraggeberinnen.

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